Am Anfang​

2021

Eine transkulturelle, multimediale Musikperformance von Marc Sinan mit dem Djiguiya Orchestra Bamako, der Marc Sinan Company, den Neuen Vocalsolisten Stuttgart und einer Choreografie von Kettly Noël.

Nehme den roten UmhangUmhang nehme das WeltallWeltall und gehe nacktnackt

–Hamadoun Kassogué, Bamako, 2019

Für das Projekt AM ANFANG befragen Marc Sinan und Kettly Noël religiöse Schöpfungsmythen aus Westafrika und Europa sowie wissenschaftliche Erzählungen über die Entstehung der Welt. Es werden traditionelle und religiöse Musik aus Mali mit zeitgenössischer europäischer Musik konfrontiert. Das erzählerische Instrumentarium besteht aus Gesang, Performance und Videokunst. AM ANFANG führt das Djiguiya Orchestra aus Bamako mit den Neuen Vocalsolisten Stuttgart und der internationalen Marc Sinan Company zusammen.

In 150 Fragmenten werden musikalische, poetische, religiöse und wissenschaftliche Dokumente von Wirklichkeit, die zunächst in einer Rauminstallation, später online und schließlich als hybride Performance die unterschiedlichen Perspektiven in einer von 58112246582005964602127455942367987902050836156499835648504350052842641868750253575074024377378741206663917548775207191034516791665623040000000000000000000000000000000000 oder 5.811225 mal 10 hoch 169 möglichen Permutationen zur Aufführung gebracht.

Das Projekt AM ANFANG spiegelt die Erfahrung, dass die Welt widersprüchlich ist und damit auch die Beschreibung(en) von Welt. Zwar wissen wir um die Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Perspektiven auf unsere Existenz, richten uns aber doch gleichgültig in unseren eigenen Existenzen, in unseren eigenen Welten ein, mit unseren je eigenen Perspektive darauf.

Interessanterweise unterscheiden sich die Erzählungen über den Anfang von allem grundsätzlich: So glauben manche, Gott habe die Welt geschaffen. Andere glauben an die wissenschaftliche Theorie des Urknalls. Das Volk der Dogon in Westmali tradiert den Mythos von einem zweieiigen Zwilling, der ungeduldig aus dem Mutterleib flieht, wobei ein Stück der Plazenta herunterfällt, was zur Erschaffung der Erde führt. Auch sind die Dogon bereit seit Urzeiten in Besitz von astronomischen Wissen über den unsichtbaren Begleiter des Sirius Sterns und dessen Flugbahn. Die Existenz dieses Sternes konnte erst Ende des 20. Jahrhunderts von der Astrophysik bestätigt werden.

Das Projekt AM ANFANG soll verdeutlichen, dass unser Wissen uns immer nur scheinbare Gewissheiten ermöglicht, mit deren Hilfe wir uns von den „Anderen“ unterscheiden. Doch tatsächlich ist jede Gewissheit nur ein weiterer Beweis für die Begrenztheit aller menschlichen Wahrnehmung und Einsicht. Wir sind eins in der Erkenntnis, dass jede Sicht auf die Welt nur ein singuläres, anthropozentrisches Fragment von Wirklichkeit abbildet. Das, was wirklich ist, ist größer.

Für die Uraufführung bei dem Festival DIE IRRITIERTE STADT wird ein zwölf Meter durchmessendes Hexagon einen mythischen Raum bilden, in dem das Publikum erleben kann, wie zeitgleich die Schöpfungsgeschichten der Dogon und des malischen Nomadenvolks Peulh besungen werden, kontrastiert durch wissenschaftliche Sichtweisen der Schöpfungs-Geschichte.

 

„…auch ambitioniertere musikalische Aktivitäten finden statt: Schöpfungsmythen aus Europa und Afrika reflektieren Marc Sinan (Komposition) und Kettly Noël (Choreografie/Performance) in der Produktion AM ANFANG (22. Juli), das die Neuen Vocalsolisten mit dem Djiguiya Orchestra aus Mali zusammenbringt.“

Dirk Wieschollek, Unübersehbar #12 – nmz-Streaming-Empfehlungen vom 17.7. bis zum 23.7.2020

„Die Stadt ist jedoch nicht der Bezugsrahmen für diese multimediale Performance mit fünf Sängern, drei Instrumentalisten und noch weiteren afrikanischen Musikern, die über die Monitore eingespielt werden. Es ist die ganze Welt – und ihr Ursprung.“

Stuttgarter Zeitung, 23.7.2020

„Die interessantesten Produktionen versuchen, kulturelles Wissen über historische und geographische Gräben hinweg fruchtbar zu machen. Etwa die europäisch-afrikanische Musikperformance AM ANFANG, die der armenisch-türkisch-deutsche Gitarrist und Komponist Marc Sinan im Theaterhaus vorstellt.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Kerstin Holm, 23.07.2020

Video

Besetzung

Marc Sinan

Komposition

Marc Sinan

Künstlerische Leitung & Komposition

Adrian Figueroa

Ausstattung & Video

NEUE VOCALSOLISTEN STUTTGART

Johanna Vargas Sopran Truike van der Poel Mezzo Sopran Martin Nagy Tenor Guillermo Anzorena Bariton Andreas Fischer Bass

Rokiatou Tessougué, Pierre Dembelé

Projektassistenz Bamako

Videotechnik

Benedict Jancke

Andrea Molino

Musikalische Leitung & Musikdramaturgie

Salia Malé

Wissenschaftliche Beratung

Interviewpartner*innen

Bocar Amadou Fanara, Hamadoun Kassogué, Amenophis Imaka Traoré, Salia Malé

Darius Tschorn

Technische Leitung

Technische Betreuung Bamako / Video

Abdallah Ag Amano / TADIAZT

Kettly Noël

Choreografie & Tanz

DJIGUIYA ORCHESTRA

Lassine Koné Kamale Ngoni Habib Sangaré Bolon, Kalebasse Joel Diarra Balafon

Eric Nikodym

Projektleitung

Volker Greve

Tonmeister

Kamera

Hans-Peter Eckardt

Maike Wetzel, Holger Kuhla

Dramaturgie

MARC SINAN COMPANY

Oğuz Büyükberber Klarinette Daniel Eichholz Schlagzeug Marc Sinan Gitarre

Wiebke Wesselmann

Projektassistenz

Ein besonderer Dank an:

Dietrich Becker, bis 2019 deutscher Botschafter in Mali & Magali Moussa, Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), Bamako. Eine Kooperation der Marc Sinan Company, dem Festival DIE IRRITIERTE STADT Stuttgart und die Stiftung Humboldt Forum Berlin.

Gefördert durch

die Kulturstiftung des Bundes und die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa